Ortsbesichtigung Denklingen

Die Pfarrkirche an einen komodlicheren Ort zu transferieren“

Ortschronist Paul Jörg führt Buchloer Heimatverein durch Denklinger Kirche

Nach langer Corona-Pause fand wieder eine Ortsbesichtigung des Heimatvereins Buchloe statt. Bei strahlendem Sonnenschein nahm Paul Jörg, ein profunder Kenner der Denklinger Geschichte, die Mitglieder des Buchloer Heimatvereins mit auf eine historische Reise in die Denklinger Kirche, die als Saalbau genügend Platz für die Besucher bot. Die exponierte Lage auf dem Berg, bei der Planung als „komodlicherer Ort“ bezeichnet, und die hohen Fenster sorgten für eine lichtdurchflutete Kirche, die mit ihren Farben, Figuren und Altären auf den ersten Blick beeindrucken.

Bedeutende Künstler Schwabens haben hier ihr Können eingebracht. 1668 war die damalige Kirche beim großen Dorfbrand mit abgebrannt. Die Not nach dem Dreißigjährigen Krieg erlaubte nur einen Behelfsbau, der nach 100 Jahren wieder baufällig war. 1765 ließen die Denklinger deshalb ein neues Langhaus vom Tiroler Baumeister Franz Xaver Kleinhans errichten, „der bei der Buchloer Kirche unter Johann Georg Fischer noch als Polier arbeitete“ wie Jörg berichtete. Während es sich bei der Denklinger Kirche um Kleinhans‘ letztes Werk handelte, schuf hier der Freskenmaler Johann Joseph Anton Huber sein erstes eigenes Meisterwerk. Das imposante Deckenfresko versah er selbstbewusst mit einer großen Signatur. „Zu Recht“, wie Jörg bemerkte, „denn er wurde später Direktor der Augsburger Kunstakademie und diese Malerei war sein Referenzwerk für nachfolgende Aufträge, wie man an ähnlichen Bildern in anderen Kirchen, zum Beispiel in Stockheim, sehen kann.“

Jörg schlug bei seinen Kirchengeschichten immer wieder Brücken Richtung Buchloe. So wurde der linke Altartisch 1797 durch den Buchloer Fassmaler M. Fröhlich angemalt. Beide Orte hatten in der Vergangenheit auch strukturell viele Gemeinsamkeiten. Bis 1803 gehörten sie zum Bistum Augsburg. Ab 1862 gehörte Denklingen erstmals zum Bezirksamt Kaufbeuren, bis es 1972 bei der Gebietsreform mit anderen Fuchstalgemeinden zum Landkreis Landsberg und damit zum Regierungsbezirk Oberbayern kam. Aber der Dialekt ist weiterhin schwäbisch, wie die Besuchergruppe erfreut feststellen konnte.

„Insgesamt eine gewaltige Kirche, die man auf dem Lande sonst nicht leicht findet und ein weithin sichtbares Wahrzeichen Denklingens“ resümierte Jörg am Schluss. 

Die Mitglieder des Buchloer Heimatvereins lassen sich vom Ortschronisten Paul Jörg die Deckenfresken in der Denklinger Kirche erklären. (Bildrechte: Herbert Wintersohl, Buchloe)

Alter Gasthof – neues Rathaus –

Von der Kirche ging es hinunter zum neuen Denklinger Rathaus mit dem neu erstellten Vorplatz. Jörg schilderte die wechselvolle Geschichte des wahrscheinlich ältesten Hofes von Denklingen und ehemaligen Wirtshaus an einer wichtigen Handelsstraße auf. Nach der Einstellung des Gasthausbetriebes wurde das Anwesen durch die Gemeinde gekauft und in mühevoller Arbeit in ein neues Rathaus umgewandelt. Damit ist nicht nur ein historisches Gebäude gerettet worden, sondern auch die Bedeutung des alten Zentrums Kirche – Gasthof neu belebt worden. 

Im Gasthaus Seerose fand der informative Nachmittag ein ruhiges Ende. Wir hoffen, nun wieder häufiger zu Ortsbesichtigungen einladen zu können. 

Herbert Wintersohl, Vorsitzender Heimatverein Buchloe und Umgebung e.V.

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