Treibgut des Krieges

Anders verhielt es sich mit Dorothea Ruth Bialas. Am 04.04.1946 kam sie in Buchloe an und der „Flüchtlingskommissar“, wies ihr – wahrscheinlich ein Zimmer – in der Hinteren Gasse 8 in Buchloe, beim Gärtnermeister Andreas Geier und seiner Frau Karolina an. Unverzüglich meldete sie sich in Buchloe als „Flüchtling“an, um Lebensmittelmarken zu bekommen. Gleichzeitig mit ihrer Anmeldung in Buchloe wurde auch das „Entnazifizierungsverfahren“ für sie eingeleitet. Frau Bialas wollte aber nicht in Buchloe bleiben, sondern stellte einen Antrag auf eine Wohnungszuteilung in Kaufbeuren, die sie am 05.09.1946 in der Schmiedgasse 20 in Kaufbeuren erhielt. Sie verließ Buchloe nach wenigen Monaten und heiratete später in Kaufbeuren, wo sie auch starb. 

Am 16. Februar 1948 versuchte man ihr das Ergebnis des Entnazifizierungsverfahrens zuzustellen, da sie aufgrund ihres Alters unter die „Jugendamnestie“ fiel. Die Zustellung dieses Ergebnisses war für die Zukunft von Frau Biallas von großer Bedeutung.

Da sie Buchloe aber schon vor Jahren wieder verlassen hatte, wurde diese „Portopflichtige Dienstsache der Spruchkammer“ zuerst zum „Rückläufer“ und dann zum „Irrläufer“, bevor sie irgendwann in Kaufbeuren ankam.

Diese Karte mit ihren Stempeln und verschiedenen Adressen (auch in Kaufbeuren!) ist geradezu symptomatisch für diese Zeit, in der so viele Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat waren. Zu den Flüchtlingen kamen in dieser Zeit noch die Ausgebombten, die Evakuierten, die entlassenen Soldaten, die nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten oder wollten. Niemals gab es innerhalb von Deutschland eine so starke Binnenwanderung wie in dieser Zeit.

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